Anmerkungen ein Tag nach Rudolf Augsteins Tod

Samstag, 8. November 2008 | von

Dieter Baumert
Lörrach

Herrn
Rudolf Augstein
Bradstwiete 19 7 Ost-West Strasse
20457 Hamburg

14. Oktober 1993

Werter Herr Augstein,

in einer der letzten Ausgaben Ihres Magazins berichtet Ihre Redaktion über den MDMA-Papst. Ob es angebracht ist, das Hohelied auf Ecstasy zu singen, wird die Zukunft zeigen.

Zu erinnern ist ja daran, dass in den 80er schon einmal jemand jene Wunderdroge massenweise unters Volk brachte, herstellte, was den Herren aus Lahr aber nicht davon abhielt, auch Zulieferer für die kriegerische Giftgasfabrik in Habda, für Saddam also, zu werden. Der therapeutische Effekt scheint also begrenzt zu sein.

Ich fragte nun meinen Freund Anders in Christiania, ob er jenen besagten Propheten des MDMA kenne, schließlich berichtete der SPIEGEL er habe dort ein Jahr gewohnt. Leider musste Herr Hansen verneinen. Er würde jetzt gerne wissen, wo er gewohnt hat und ob er in dieser Zeit Miete gezahlt hat.

Zu diesen Fragen mögen wir den Manager in London gerne interviewen oder ihm auch einen solchen schönen Brief wie
diesen schreiben.

Dafür bräuchten wir aber seine Adresse. Wären Sie so freundlich, und schickten uns diese? Sonst müssen wir halt ins Londoner Telefonbuch schauen, aber wer schaut heute noch gerne in Bücher, die stehen ja sowieso alle ungelesen in den Regalen („Die größten
Umweltschweine haben die saubersten Wohnzimmer“ hieß es auf einem Aufkleber, dem mal meine Tochter nach Hause brachte).

Lassen Sie es sich
gut gehen, 1994
braucht Deutschland
wieder den Spiegel
in den es kucken kann
um sich doch nicht
selbst zu erkennen.

Herzliche Grüße
Dieter Baumert

Nachtrag 2004-05-10

Hier irrt der Autor. Die Giftgasfabrik war die Giftgasfabrik des Despoten mit dem grünen Buch: Moammar al Ghaddafi. Und die Fabrik für tödliche Gase war in Rabta. Und das liegt natürlich in Libyen. Irren ist männlich.

Hier ein – fast klassische Bild: der Despot erreicht das Gebäude der Europäischen Kommission, 27. April 2004. Gleich wird er den
EU-Kommissionspräsidenten Romano Prodi treffen.

Ein Lieferant Ghaddafis kam damals übrigens aus Lahr – es ist sozusagen eine dunkle Dreyecklandsgeschichte.

Sollte Massimo P. noch immer der Meinung sein, das Regime biete revolutionäre Ansätze für eine Transformation einer Gesellschaft, empfehle ich ihm den Länderbericht
von Amnesty International
.