Dead and gone

Dienstag, 18. August 2009 | von

Dead and gone
Werner "The Blues" Gabele ist tot.

Werner Gabele, der Sänger der Säckinger Band
"Out of Focus", von "blue4u" und anderen Formationen ist tot.

Werner Gabele
Kevin Coyne, Werner Gabele, Ex-Ehefrau Lek und der
Sohn von Kevin Coyne

Bilder aus alten Zeiten:

Werner Gabele

Band "Without Emotions"

Werner Gabele

Werner Gabele

Hier gibt es einen Zeitungsbericht vom 8. Dezember 1980:
"Hin zu den Wurzeln"

Eine Hommage an Werner
aus Freiburger Plattenladenzeit von arkaengel

Ich weiß echt nicht, wohin mit diesem Text. Er ist von mir, er bezieht sich auf Musik, und er ist so tiefgründig nun auch wieder nicht. Falls der Thread im Musikforum besser aufgehoben wäre, wird wohl ein Mod seines Amtes walten; ansonsten Kommentare, Schmähungen, Lob, sexuelle Offerten etc…alles gerne genommen.

Der Text ist für meine (hypothetische) Musikpage gedacht, als Einleitung zu einer Subpage über King Crimson. Soviel zum Kontext. Zu kontrovers für ein führendes Musikforum, nun hier zu euren Amusement gepostet.


„King fucking Crimson? Komm, Werner, das ist doch jetzt nicht dein Ernst.“
Mein Freund und Mentor Werner Gabele blickte mich über die Ränder seiner Brille an. Obwohl er kleiner ist als ich, schafft er es in solchen Momenten, den Eindruck zu erwecken, er sehe auf einen hinab; ich schreibe das seiner jahrelangen Übung zu. Wir hatten unser Tagewerk verrichtet – Verkäufe des Vortags geprüft, Wareneingang kontrolliert und gebucht, Ware verräumt, Nachbestellungen getätigt, die Waschmaschinenjockeys in der Elektroabteilung mit einem Medley aus „Metal Machine Music“ und „Electric Ladyland“ nachhaltig verstört – und nun nutzten wir die letzte halbe Stunde bis zum Feierabend, um ausgiebig über den Musikgeschmack des jeweils Anderen zu lästern.
„Und was genau hast du gegen King Crimson?“ fragte Werner und taxierte mich über den Rand seiner Buddy-Holly-Brille hinweg. „Ich weiß, sie klingen nicht wie Nirvana, aber…“
Ich sah großzügig über den schwachen Versuch hinweg, mittels eines Seitenhiebs auf eine von mir favorisierte Band meine Attacken gegen Bob Dylans Gesang und Lou Reeds Schaffen seit „White Light / White Heat“ zu kompensieren. „King Crimson? Blind Lemon Gabele, ich bitt‘ dich. Den Blues kann ich ja noch verstehen – das ist zwar stellenweise auch klischeebehaftet, aber es hat zumindest mit dem richtigen Leben zu tun. Wenn du mir jetzt ernsthaft sagen willst, Prog-Rock sei hörenswert, dann lach‘ ich dich aus.“
„Progressive Rock ist ja nicht per Definition zu verteufeln“, murmelte Werner und lieferte mir damit exakt jene Vorlage, auf die ich gewartet hatte.
„WAS? Du brichst eine Lanze für Prog-Rock? Ausgerechnet du? Hast du nicht letzte Woche einträchtig mit mir über die Käufer von Styx und Toto hergezogen? Und in der Woche davor mir Recht gegeben, als ich forderte, den Besitz von mehr als einer Yes-Platte mit Entzug des
Wahlrechts zu ahnden? Hast du mich da nur verarschen wollen, oder willst du mich jetzt verarschen? Oder bist du jetzt vollends vertrottelt? Kauf‘ dir doch gleich die ‚Tales from Topographic fuckin‘ Oceans‘, die ich da auf der Theke liegen sehe. Oder was von Lothar and the fuckin‘ Hand People. Prog-Rock….pfft. Kunststudentengewichse für Leute, die aufgrund von Enteierung und allgemeiner Degeneration nicht mit Feedback klarkommen. Sammelt alle Späthippies ein und erschießt die konterrevolutionären Motherfucker! Prog-Rock, meine Hämorrhoiden!“
Werner hatte diese Polemik mit einem süffisanten Lächeln über sich ergehen lassen – genau jenes süffisante Lächeln, das er immer dann auf den Lippen hat, wenn er gleich mit einem vernichtenden Argument kontern oder sein Gegenüber nur verunsichern will. „Und was ist mit Radiohead?“ fragte er, und ich stöhnte innerlich auf. Verdammt, ihm war also doch noch ein Argument eingefallen. Ein gutes sogar. „Klingt schon recht Pink Floyd-verdächtig, und die waren ja Prog…“
„…bevor Syd Barrret ausflippte und sie schrittweise zu Dire Straits mit Synthesizer mutierten“, ergänzte ich seinen Satz. „Radiohead sind ein Sonderfall. Die ‚OK Computer‘ ist zwar an den Sound einiger dieser Bands angelehnt, aber über der Platte schwebt eher der Duft der Neunziger als jener Pesthauch der Verwesung, der diese verkrachten Existenzen aus den späten Sechzigern umwabert, denen du frönst.“ Ich gebe zu, dass ich auf diese Formulierung ein kleines bißchen stolz war.
„Und die ‚Inner Mounting Flame‘ vom Mahavishnu Orchestra, die du seit einer Woche hier täglich über die Ladenbeschallung jagst? Die Grenze vom Jazz-Rock zum Prog-Rock ist fließend, das weißt du.“ Werners Lächeln war noch süffisanter geworden. Noch mehr als ein gutes Argument über Musik genoß er das Gefühl, sein Gegenüber in die Enge getrieben zu haben. Ins Gesicht geschrieben stand ihm schon die Vorfreude auf meine Kapitulation.
Nun, diesen Spaß würde ich ihm nicht gönnen. „Es ist doch wohl ein Unterschied, ob ich das Mahavishnu Orchestra höre, oder eine Scheiße wie Curved Air hochhalte! Beides ist für manche Leute Jazz-Rock, aber: Curved Air ist langweiliges Gewichse und Klangtapete.
Mahavishnu ist eine Gruppe von virtuosen Musikern, die nebenher auch noch rocken wie die Motherfucker. Scheiß auf Jazz-Rock, Mahavishnu ist schon fast Metal.“
Mit seinem seligsten Ich-habe-gewonnen-Lächeln hielt mir Werner ein Exemplar der CD hin, um die sich unser Streitgespräch drehte. „Ich werde dich nicht heute zwingen, für deine unüberlegten Worte Abbitte zu leisten. Hör dir doch die CD heute mal an – wenn du dich von Radiohead und Nirvana und deinen Sonic Kids wegreißen kannst -„
„Sonic Youth“, murmelte ich. „Die Band heißt Sonic YOUTH, Werner.“
„Es ist mir scheißegal, wie die elendige Dilletantenhorde heißt. Hör dir die CD einfach an und erstatte morgen umfassenden Bericht.“ Werner wandte sich zum PC hin und seufzte. „Nun laß uns mal sehen, wieviele Bravo-Hits und ähnliche Scheußlichkeiten wir heute wieder unters Volk gebracht haben.“
Ich blickte auf die CD in meiner Hand herab. „ThRaKaTTaK“. Toll. „Kreative Ortographie wirkt immer so, als wolle da ein Haufen alter Säcke mit aller Gewalt hip klingen. ‚Live recording‘? Wie lebendig ist denn diese Rentnerkombo noch, Werner?“
Er lächelte sein süffisantes Lächeln und ignorierte mich.

Etwas Bleibendes (8. Auflage) für Werner auf Seite 64 von „Das Badische Schimpfwörterbuch“ von Roland Strittmatter:

Das Badische Schimpfwörterbuch

Das Badische Schimpfwörterbuch

Alle Foto: Quellen privat bzw. Rechteinhaber unbekannt

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