Weitere Infos:

Die Ausstellung "Reichspogromnacht in Lörrach 1938" kann ausgeliehen werden. Sie kostet pro Woche 25,00 EUR.

Im Ausleihpreis sind die Transportkosten nicht enthalten. Anfragen bitte an info@baumert.de

"Wir sind zur Zeit in Gurs ca. Siebentausend von der Welt verlassene, aller Rechte beraubte Internierte. In den vergangenen Wochen starben durchschnittlich je 100 Personen"
Maurice Meier – Briefe an meinen Sohn
Zürich 1946

„Maurice Meier geb. 1893 in Nonnenweier, ist ein Stiefsohn von Sophie Braunschweig aus Kirchen, die 1901 den verwitweten Kaufmann Max Meier aus Nonnenweier heiratete. Aus dieser Ehe ging eine Tochter, Senta Maier, geb. 1904 hervor, die 1934 in die USA auswanderte und sich dort verheiratet.

Maurice Meier heiratete 1923 Martha Abraham aus Rust. Bald nach der Hochzeit zogen sie nach Tiengen/ Hochrhein, wo sie eine größere Landwirtschaft kauften und bewirtschaftete. Hier wurden auch ihre beiden Kinder Ernst und Ilse-Jeanette geboren. Kurz nach der Machtübernahme Hitlers verkauften sie ihren Besitz, dort war die Situation durch die beginnende Judenhetze untragbar geworden, und erwarben in Nordfrankreich ein ehemaliges Klostergut St. Radegonde, das sie zusammen mit weiteren Verwandte bebauten. 1939 wurde Maurice Meier als feindlicher Ausländer interniert, kam kurze Zeit später wieder frei, und wurde 1940 nach der Besetzung Frankreichs, durch deutsche Truppen erneut verhaftet und nach Gurs gebracht. Hier traf er dann mit den wenigen Tagen zuvor angekommenen Verwandten aus Kirchen und Nonnenweiler zusammen, die sich unter den 6.500 deportierten badischen und pfälzischen Juden befanden. Aus dieser Zeit stammen die Briefe an seinen Sohn, die neben der Schilderung des furchtbaren Eldens von Gurs eine pädagogische Leistung ersten Ranges darstellen. Die gesamte Familie Meier wurde im KZ Auschwitz getötet. Er selbst konnte 1944 in die Schweiz fliegen und wanderte 1946 als physisch und psychisch völlig gebrochener Mann in die USA aus, wo er heute noch (Stand 1978, Anmerkung DEB) lebt.

Axel Hüttner
Die jüdische Gemeinde von Kirchen
(Efringen-Kirchen, Kreis Lörrach)
1736 – 1940

Beiträge zur geschichtlichen, wirtschaftlichen und religiösen Situation der Juden im Markgräflerland

Axel Hüttner Grenzach/ Heidelberg 1978

Mahnmalprojekt
für Jugendliche

… der deportierten Jüdinnen und Juden Badens erinnern …
Eine Einladung, der Gegenwart und Geschichte jüdischen Lebens zu begegnen

Ausstellung Reichspogromnacht Lörrach

1. Editionsgeschichte

To: markus.moehring@stadt.loerrach
Cc: Bernnat, Hubert
Sent: Monday, October 07, 2002 1:36 PM
Subject: Ausstellung der Bürgerinitiative Reichspogromnacht zur Reichspogromnacht Lörrach

Guten Tag Markus!

Guten Tag
Hubert!

Da Ihr – freundlicherweise – treuhänderisch die Ausstellung zur Reichspogromnacht in Lörrach betreut, wende ich mich heute an Euch.

Ich möchte gerne auf unserer Seite
www.baumert.de
die Ausstellung online zeigen.

Es bestünde unter Umständen die Möglichkeit, die Tafeln zu photographieren. Vielleicht gibt es auch noch andere – bessere Möglichkeiten.

So könnten zum Beispiel auch Schulklassen nicht nur die Ausstellung ausleihen, sondern auch online sich sachkundiger zu machen.

Es besteht natürlich auch die Möglichkeit, noch zusätzliche Dokumente, Texte oder anderes einzufügen.

Vielen Dank für Euer Engagement.

Mit freundlichem Gruß

Dieter Emil Baumert

23. Oktober 2002
An: Museum Lörrach, cc: Hubert Bernnat, Conrad H. Bauer, Gerd Wernthaler

Werther Markus Moehring!

Darf ich an die Erledigung meiner beigefügten Anfrage erinnern?

Es wäre schade, wenn die Ausstellung in irgendwelchen Kellern vor sich her gammeln würde. Schon damals habe ich nicht verstanden, dass nicht massenweise Schulen, Gewerkschaften und andere Gruppen die Ausstellung nicht gezeigt haben.

So soll sie wenigstens online ansehbar sein (und dadurch auch ausleihbar).

Ich gebe zu bedenken, dass die Ausstellung von einer Bürgerinitiative hergestellt wurde. Der Landkreis hat damals – auf Initiative des späteren Landrats Alois Rübsamen – die Ausstellung mit DM 5000,00 unterstützt. Dies zeigt ihre öffentliche Bedeutung. Damit ist auch klar, dass sie ideell im Eigentum des Gemeinwesens steht, auch wenn sie privatrechtlich sicher Eigentum der Bürgerinitiative war und eventuell durch eine Schenkung durch Hubert Bernnat jetzt dem Museum Lörrach gehört.

Ich fände es allerdings bedauerlich, wenn mit diesem Eigentum jetzt ähnlich umgegangen wird, wie mit meiner Schenkung an die Stadt Lörrach. Es kann ja nicht sein, dass eine Schenkung an die Stadt heißt, dass dann Materialien nicht mehr öffentlich einsehbar, ausleihbar, benutzbar sind. Sondern das Gegenteil muss der Fall sein: Jeder Interessent muss das Material benutzen können. Die Archive der Stadt sind keine Privatsammlung einiger Eingeweihter. Wenn mir für eine Postkartenaktion zur Shoa in Lörrach gesagt wird, dies sei vielleicht unnötig gedoppelt und frau habe Bedenken, dass mit dem Leid der vertriebenen Juden Geschäfte gemacht wird, dann zeigt das, dass hier eindeutig die Maßstäbe verloren gegangen sind, mit dem bürgerschaftliches Handeln gewürdigt oder verworfen wird.

In diesem Sinne hoffe ich auf baldige Antwort.

Mit freundlichem Gruß

Dieter Emil Baumert
Feerstrasse 3
79541 Lörrach

Hubert Bernnat
per E-Mail 2002-11-03

Lieber Dieter,
die Ausstellung steht immer noch im HTG, sie ist keine Schenkung an das Museum. Dort kann sie jeder Zeit abgeholt werden.
Ich habe sie nur genommen, weil sie sonst kein anderer genommen und sich auch nicht darum gekümmert hat. Selbstverständlich ist sie nach wie vor Besitz der allerdings seit Jahren nicht mehr existierenden Bürgerinitiative. Du kannst sie jeder zeit abholen.

Gruß: Hubert

2. Entstehungsgeschichte der Ausstellung

Rechtzeitig vor dem 50. jährigen der Reichspogromnacht in Lörrach veröffentlichte ich einen Aufruf zum Engagement. Basierend auf einem Text von Daniel Cohn-Bendit im Frankfurter Pflasterstrand rief ich dazu auf, dem schändlichen Pogrom von 1938 zu gedenken.

Joachim Jensch, mit dem ich zu der Zeit im Kulturring Lörrach zusammenarbeitete, bat mich in einem Brief, keine Demonstration durchzuführen, da dies dem Anlass nicht angemessen sei. Sehr schnell entwickelte sich dann die Idee einer Ausstellung.

An ihrer Vorbereitung waren beteiligt: Conrad Heinrich Bauer (Gemeinde- und Kreisrat der Grünen), Monika Trenz, Hans Knobloch (VVN und DKP),Gert Wernthaler, ….., DKP, Karlfrieder Vortisch und in der Schlußphase -inoffiziell ("Da ich einen Ruf zu verlieren habe") der angehende zukünftige Kustos der Stadt Lörrach Markus Moehring und Hubert Bernat und ich, Dieter Emil Baumert.

In der Öffentlichkeit fand die Idee einer Ausstellung sehr schnell Zustimmung – der damalige CDU-Kreisrat und nachmaliger Landrat Alois Rübsamen beantrage im Lörracher Kreisrat eine Unterstützung in Höhe von DM 5.000,00 und der Kreisrat stimmte dem mehrheitlich zu. Weitere Unterstützung gab es von Grünen, DGB und Einzelpersonen.Durch die Vermittlung eines jungen, engagierten Redakteurs des Oberbadischen Volksblattes bekamen wir die Reproduktionen der Photos – hier besonders wichtig: erstmalig gezeigt – die Photos der Deportation der Lörracher Juden in das Konzentrationslager Gurs – vom Oberbadischen Verlagshaus gesponsert. Durch die freundliche Unterstützung von Herrn Krawieki von der Volksbank und seiner Vorgesetzen, erklärte sich die Volksbank Lörrach bereit, die Ausstellung in den Räumen der Hauptgeschäftsstelle zu zeigen. Der Kustos des Lörracher Museums, Herr Moehring, stellte uns bereitwillig Photos und Materialien zur Verfügung. Auch aus Kreisen der Lörracher Bevölkerung bekamen wir Materialien. Die Buchbinderei Lutz besorgte die technische Schlussbearbeitung (Kaschierung). Ein von mir herausgegebener Rundbrief informierte die Gruppe und diente als Diskussionsforum.

Kurz vor Fertigstellung kam es noch zu einem Eklat. Mir ist heute nicht mehr ganz klar, was eigentlich der Grund war. Ich hatte ein Layout-Entwurf gemacht und setzte ihn gegen den Willen von Karlfrieder Vortisch durch. Ob er die Qualität der Ausstellung anzweifelte, wie es auch ansatzweise Markus Moehring getan hatte – ich weiss es nicht mehr genau. Parallel zu diesem Konflikt gab es einen zweiten, inhaltlichen: Die Mehrheit wollte auch eine Tafel über den Nazi-Bürgermeister Boos aufnehmen. Eine seltsame Gegnerkoalition gab es plötzlich: Der Bürger Karlfrieder Vortisch, der Grüne Conrad Bauer und der Kommunist xxxx als vehemente Gegner einer solchen Tafel. Da die drei aber in der Minderheit blieben, gestalteten wir die Seite über Boos. Karlfrieder Vortisch empörte sich und verließ die Gruppe, Monika Trenz beschimpfte mich (Es sei ja in Lörrach bekannt, wie schwierig es sei, mit mir zusammenzuarbeiten) – arbeitete aber weiterhin mit.

Die Ausstellung wurde ein großer Erfolg, parallel dazu zeigte das Museum Lörrach eine eigene Ausstellung.

Leider wurde die Ausstellung nicht mehr groß verliehen, der Gruppe war der Atem ausgegangen und für weitere Initiativen keine Kraft mehr da. Weder beteiligte sich die BI dann am Landeswettbewerb der Bürgerinitiativen, was mein Wunsch war, noch kam es zu einer Weiterarbeit als Geschichtswerkstatt, was Gert Wernthalers Interesse war.

Markus Moehring hat übrigens später die Ausstellungsqualität gelobt und erwähnt heute offiziell sein Mitarbeit (siehe sein Brief an mich, im Anhang).

Karlfrieder Vortisch, Montag, 12. September 2005

Der Lörracher Bürger Karlfrieder Vortisch kommentiert auf der Gästebuchseite die Entstehungsgeschichte der Ausstellung folgendermassen: (wir zitieren unkommentiert aus dem Gästebucheintrag vom 12. September 2005)
Google kann auch ein Fluch sein, dann nämlich, wenn es einen zufällig auf die Baumertsche Homepage stoßen lässt, die man dann natürlich lesen muss. Dort präsentiert sich Baumert, wie ich ihn damals kennen gelernt habe. Maßlos sich selbst überschätzend, eitel und peinlich (er bietet signierte Postkarten an, die er selbst an Daggi geschrieben hat; unglaublich). Mich interessierte dann natürlich seine Schilderungen über das Projekt der Ausstellung über die Reichspogromnacht in Lörrach. Ich überredete damals den alten Herrn Möhring, die bis dahin unbekannten Fotos zur Verfügung zu stellen. Auch gelang es mir über den befreundeten Redakteur Bäuchle, den Verleger Jaumann dazu zu bringen, die Repros davon herzustellen. Herr Jaumann tat diese Arbeit übrigens selbst, d.h. persönlich. Hubert Bernnat, heute Rektor des Hans-Thoma-Gymnasiums, hatte ich zu einem Beitrag über die Parteien in Lörrach vor und im Dritten Reich bewegen können. Herrn Möhring jun. half ich beim Abfassen der Chronologie der Judenverfolgung. In der Universitätsbibliothek Basel sah ich sämtliche Stürmer-Jahrgänge durch und fertigte auf eigene Kosten stoßweise A3-Kopien an. Und Baumert, ach ja, der tat auch einiges, vor allem eigenmächtig und ohne Mandat durch die Gruppe. Baumert hatte aber kein Problem damit, letzteres anders zu sehen. Wirklich geackert hatte damals die Daggi, die nächtelang auf der Schreibmaschine tippte. Der „Bürger Vortisch“ stellte seine Mitarbeit damals nicht ein, weil er gegen die die Offenlegung der Rolle von Boos war, sondern weil Baumert dies eigenmächtig, gegen die Mehrheit in der Gruppe, dann doch getan hatte. Aber auch damit hätte ich u.U. leben können. Den Hauptgrund für mein Ausscheiden hatte ich damals nicht genannt, auch mit Rücksicht auf Daggi. Ich konnte Baumert mit der Zeit schlicht und einfach nicht mehr ertragen, sein Rumschleichen, den Hundeblick, das dauernde Schmatzen, seine unglaubliche Selbstgefälligkeit.

Wenn ich seine Homepage heute sehe weiß ich, dass es gut so war.

„Die deutsche Sprache ist reich – und ihre Dialekte noch reicher -, wo Arten der Fortbewegung oder Zustände der Seele geschildert werden sollen. Sie ist arm, wo immer es um Politik geht. Carl Gustav Jochmann nannte daher zu Beginn des 19. Jahrhunderts sein Volk die „stummen Deutschen“. Offenbar hemmte monarchische Kleinstaaterei und das Fehlen einer nationalen Diskussion die Ausbildung einer politischen Sprache. Politik ist auf Fremdwörter angewiesen.

Besonders ärgerlich und jeder Demokratie abträglich ist der Tatbestand, dass wir Deutschen mit dem Wort „Bürger“ alles abdecken müssen, was Franzosen mit zwei sehr klar unterschiedenen Begriffen bezeichnen: "bourgeois" und „citoyen“. Citoyen war schon im späten Mittelalter, wer kein „serf“ mehr war, kein Leibeigener, sondern ein freier Bauer oder Handwerker. In der französischen Revolution wurde „Citoyen“ der Titel für jeden, der das Recht und die Pflicht hatte, Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit in Gesellschaft und Staat zu verwirklichen. Heute sind die Citoyenne und der Citoyen die wahlberechtigten Staatsbürger, welche zusammen die Nation bilden und den Staat tragen. Sie sind der Souverän, der gelegentlich auch direkt nach seiner Meinung gefragt wird.

„Bourgeois“ bezeichnet eine Klasse. Der Bourgeois ist der Besitzbürger, meist Chef eines Unternehmens, der vor allem wirtschaftliche Interessen hat und vertritt. Natürlich ist er gleichzeitig auch Citoyen, aber nicht jeder Citoyen ist gleichzeitig Bourgeois. Der Bourgeois sah sich angefochten und bekämpft von der Arbeiterbewegung, von Gewerkschaften und sozialistischen Parteien. Die „Kleinen Leute“, die gerne Bourgeois gewesen wären, ohne wirtschaftlich sehr viel besser zu stehen, nannten die Franzosen „petit bourgeois“, Kleinbürger.

Im Deutschen Kaiserreich waren zwar alle formal gleichberechtigte Bürger des Reiches und seiner Staaten – die Frauen durften noch nicht wählen -, aber sie wurden vertreten von Parteien, die sich entweder als „bürgerlich“ oder als nichtbürgerliche, antibürgerliche
Arbeiterparteien verstanden. Bis zum heutigen Tag reden manche, wenn sie schwarz-gelb meinen, von den „bürgerlichen Parteien“. Der Ausdruck, der im Wahlkampf wieder auflebt, hat keinerlei Sinn, wenn man mit „Bürger“ den Citoyen meint, denn wer auch immer in einer demokratischen Partei mitwirkt, ist ein besonders aktiver Citoyen. Nein, man meint den Bourgeois, der etwas Besseres sein will als der städtische Arbeiter von nebenan. Und man profitiert davon, dass „Bürger“ auch „Citoyen“ meinen kann. Das Reden von den „bürgerlichen“ Parteien diente von Anfang an der Ausgrenzung. Die Sozialdemokraten, die sich nach 1890 gerne selbst ausgrenzten, übernahmen diese Terminologie, manche bis zum heutigen Tag.
…“

Erhard Eppler, aus „Bürger und Glücksschmied“, Frankfurter Rundschau 01.September 2005

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