Woodstock, October 2014

Donnerstag, 13. September 2018 | von

Es war eines meiner verstörendsten Erlebnisse unserer Reise nach New York und Woodstock im Oktober 2014. Am Sonntag waren wir durchs herbstlich-sonnig strahlende Woodstock flaniert, in dem gerade das Woodstock Film Festival sich dem Ende zuneigte.
Ein schöner Bauernmarkt lud zum Verweilen ein, im Café tranken wir eine heiße Schokolade, und der Cafébesitzer scherzte auf die Frage, ob ich ihn photographieren dürfte: „Nur wenn ich Geld dafür bekomme.“

In der Woodstock Foto Gallery erstand ich zwei Fotopostkarten vom Magnum-Photographen Denis Stock aus dem Jahr 1971. Nackte Badendende in einem Fluss und ein trampendes junges Paar, auf dem Schild, welches die Frau hält. steht Colorado.

Ein freundlicher Farmer mit Familie grüßte freundlich aus seinem Riesentruck, und ich winkte wie Michael Douglas an der Seite meiner schönen Frau zurück.

Überall Freude, Wohlstand, Zufriedenheit.

Dann der Montag. Woodstock ist noch immer schön, im Café Bread and Butter bewundere ich die Fotos von Eliot Landy, der in Woodstock lebt, von Bob Dylan and the Band aus den Sechzigern. Das Baguette ist wunderbar. Ein Mann trägt die New York Review of Books unter dem Arm.

Aber jetzt sind sie zu sehen: Alte Männer im grünen Militärparka mit langen Bärten. Sie sitzen am Fußgängerweg. Vietnamveteranen – wahrscheinlich. Die Verlierer des Krieges. Gäste aus der Vergangenheit. Niemand sieht sie gerne, aber heute sind sie da.

Wo waren sie am Sonntag? Ist das der Deal – am Wochende zeigen wir unser Sonntagsgesicht und Armut gibt es nicht?

Ab Montag ist wieder Alltag. So wie wir in New York dann auch den Essensbus sahen, der die Armen mit Nahrung versorgte, und viele, viele arme Obdachlose in den Parks und auf der Straße.

Dieter Emil Baumert
20. August 2018
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