Moonlight – die Nacht war schön

Dienstag, 16. Januar 2024 | von

Ode an Willi Wolfgang Oswald

Lehrbrief
Dieter Baumert hat die Lehre beim Fotografenmeister Rolf Forstmeyer in Säckingen September 1968 bis 31. August 1971 verbracht.

Willi war auch dabei. Tage, gemeinsam verbracht im Labor des Fotografen Rolf Forstmeyer. Stunden im Arbeitsraum, in dem wir die Fotoabzüge trockneten, schnitten und die Passfotos schnitten und retuschierten. Stunde im Studio, wo die Passaufnahmen gemacht wurden, aber auch die Hochzeitsphotos. Und die Werbeaufnahmen zum Beispiel für die Säckinger Zahnfabrik Vita. Und natürlich: unsere Privataufnahmen. Wir Lehrlinge durften, vom Chef großzügig unterstützt, Photos von uns machen, im Labor eigene Aufnahmen bearbeiten und so viel Material verbrauchen, wie wir wollten. Nie gab es Geschimpfe des Bosses deswegen.

Willi Wolfgang Oswald
Willi, Carmen, Charly und ikke
1971, Photographenlehre bei
Rolf Forstmeyer in Säckingen

Donnerstags fuhren wir beide mit der Bahn nach Singen in die Gewerbeschule. Aus Rheinfelden war schon die Lehrlingsfrau vom dortigen Photographenmeister Erwin Wehinger im Abteil. Dazu stiegen noch die zwei Mädchen ein, die bis Waldshut mitfuhren, in ihre dortige Schule. Es war eine lustige Truppe und wir hatten viel zu lachen. Die beiden Säckinger Mädchen wurden dann zu meinen ersten Sexualparterinnen meines Lebens. Beim Lehrer Ehmann debattieren wir gerne über Politik. Und in der Kneipe in der Nähe des Bahnhofs warteten wir nachmittags bis der Zug nach Basel abfuhr.

Abends mussten die Lehrlinge aus Wehr und Öflingen um achtzehn Uhr den Laden verlassen, sonst hätten sie den Zug nicht mehr bekommen. Die Öffnungszeiten des Geschäfts waren bis 18 Uhr 30, Ausnahmen am Mittwoch und am Samstag, wo der Laden nachmittags zu hatte. Mitwoch mittags war zu, aber Samstags bis 16 Uhr (später dann, 80er Jahre, bis 14 Uhr) geöffnet. Da ich als Säckinger Jung zu Fuß nach Hause gehen konnte, übernahm ich für die anderen die halbe Stunde Arbeit. Als Dank bekam ich den Namen Kollega. Es war eine Auszeichnung für mich. Danke dafür.

Willi zeigte schon frühzeitig sein Talent für Werbephotographie und wurde darin vom Meister unterstützt und gefördert.

Jahre später gründete er sein eigenes Werbestudio in Wehr. Er fand eine Förderin, die ihm half, das große Studio zu gründen. Später zog er mit seinem Studio nach Schwörstadt, wo er ein eigenes Studio erbauen lies. Seine Frau Heidi stand ihm zur Seite. Wie ich in Lörrach und später Ursula Gabele in Säckingen machte sie eine Zeitlang einen Secondhandladen in Wehr. Zur Eröffnung des Studios kam natürlich der ehemalige Chef Rolf Forstmeyer, aber auch der Sänger Werner Gabele, der später in Freiburg als Produzent diverser Rockmusiker arbeitete (Werner Gabele ist tot | Dieter Emil Baumert).

Irgendwann war ihm das Photographieren zu wenig und er erfand die Moonlight-Lampen. Die Lampe erlebte einen weltweiten Siegeszug. Auf der Moonlight-Seite konnte Mann und Frau sehen, vor welchen Villen der Welt sie ihren warmen Schein erstrahlen lies. 2016 erhielt er den deutschen Inovationspreis.

BZ-INTERVIEW: Willi Wolfgang Oswald, Chef von Moonlight
„Man sollte manchmal Mut zum Gag haben“ – Wehr – Badische Zeitung (badische-zeitung.de)

Immer wieder musste er sich mit Plagiaten herumschlagen. Der Plagarius-Preis gegen Fälschungen erhielt einer dieser Piraten aus China.

Links dazu:
www.museum-plagiarius.de
Plagiarius 2006 – Zwergenaufstand in der Warenwelt – Panorama – SZ.de (sueddeutsche.de)
Produktpiraterie: Sklavisch nachgeahmt – DER SPIEGEL

Unsere Freundin Ruth Zimmermann, die bei Juwelier Trefzger in Säckingen gearbeitet hat und dort den gleichen Gang zu dem Lager benutzte, wie Foto Forstmeyer zum Studio Forstmeyer und zum Labor Forstmeyer (hier zwei Photos von Willi Wolfgang von ihr) war stolz auf ihn:
„Er ist der einzige aus unserer Gruppe, der es geschafft hat.“

Ruth Zimmermann
Ruth Zimmermann, Fotos: Willi Wolfgang Oswald

Ruth Zimmermann

Ruth Zimmermann im Kondolenzbuch der Badischen Zeitung:
In Erinnerung an unsere schöne und vom 68-er Spirit geprägte Jugendzeit. Im kreativen Biotop des Foto Forstmeyer-Ateliers hast du dich von Anfang an mit sehr innovativen und originellen Ideen eingebracht: Unvergesslich…
Mögen Licht und Liebe dich auf deinem weiteren Weg begleiten!

 

Als wir ihn vom Tod von Werner Gabele per Mail informierten, rief er mich an und war erstaunt, als er fragte, was ich gerade mache, und ich ihm erzählte, dass ich unter einer Palme liege. „Kann man das heute noch in Deutschland machen – unter einer Palme liegen?“ Ich klärte ihn auf, dass ich nicht in Deutschland den Schatten der Palme genieße, sondern in Apulien. Die Palme hat danach der Palmzünzler getötet, jener heimtückischen Palmenkrankheit, die anlässlich der Olympischen Spiele in Athen hunderttausendfach aus Ägypten importiert wurde. Diese Krankheit bekam später gleich noch ein Geschwister – seitdem werden die mehrere hundert Jahre alte Olivenbäume Apuliens von einem weiteren Feind vernichtet.

Wie Steve Jobs auf immer mit Apple verbunden sein wird, wie Bill Gates mit Windows, so wird Willi Wolfgang Oswald für immer mit Moonlight Technology AG – Hersteller der original Moonlight Kugelleuchten verbunden sein.
Ted Herold – Moonlight (Youtube)

 

Traueranzeige Willi Oswald

Traueranzeige heidi Oswald

 

Letzte Ruhe im Friedwald
© Edgar Hanser

Beide sind beigesetzt im Friedwald, bei Schloss Bürgeln.