Demokratie in Lörrach – Fehlanzeige

Meine Briefe an Egon

Auszuge aus ZITTIG Sonderheft zur Lörracher OB-Wahl
„Sich bewegen bringt Segen“
Nr. 58 Oktober 1983

Von Dieter E. Baumert

„nur sechs jahre habe ich erlebt, aber wollte ich genau berichten, ich könnte bücher füllen. dies ist hier nicht möglich, wohl auch nicht notwendig. ich brauche wohl nur einige beispiele zu nennen. ich denke an die bürgeriniative tram. da wollten mehrere tausend bürger eine bürgerentscheidung, ob es in lörrach eine tram geben soll oder nicht. es gab schon einmal eine straßenbahn und die schienen waren ende der siebziger jahre noch da. doch was tat die verwaltung: noch vor der entscheidung riss sie die schienen heraus. das bürgerbegehren wurde wegen rechtlicher mängel abgewiesen, als würde es herrn hugenschmidt und seine stadträte nichts angehen, was tausende von bürgern für ein votum abgeben. die herren wollten oben im rathaus selbstherrlich entscheiden, wos langgeht. eine beteiligung der bürger war nicht vorgesehen. wo bürger parteien-parolen ernst nahmen, wurden sie abgewiesen, diffamiert, abgekanzelt. es bis zu viele beispiele in dieser stadt.“

Workshop Lörrach

(Editorial in ZITTIG Nr. 58)

Unsere sommerpause war länger als geplant. sorry. dafür kommen wir diesen monat mit einer ganz koompakten nummer zu unseren lesern: „Lieber Egon“ lautet der titel und es ist eine nummer zum oberbürgermeisterwahlkampf 1983 in dieser südbadischen regio-metropole. unsere nicht-lörracher leser und leserinnen sollten nicht gelangweilt das heft zur seite legen: es ist kein nur lokalpolitisch interessantes heft. es ist auch ein heft über die unwirklichkeit der städte, ein heft über das soziale klima in diesem lande und ein – hoffentlich gelungene versuch, alternativen aufzuzeigen, in einer für unsere presselandschaft leider sehr ungewöhnlichen machart. Brauchen wir wohl niemand zu sagen, daß in dieser nummer kein einziger beitrag zensiert wurde – leider nur unsere alltägliche praxis.

Das auftauchen der grünen in den parlamenten hat es zuletzt deutlich gemacht, was die sozialen bewegungen des letzten jahrzehnts dem sensiblen beobachter schon lange klarmachten: die auf ausbeutung von natur und menschen basierenden gesellschaften – im osten wie im westen – werden nicht mehr widerspruchsfrei akzeptiert. neue, radikalere bewegungen knüpfen an den alten utopien von liberalismus, sozialdemokratie und auch christlichen lehren an, verbinden diese aber mit – für die herrschaftsgesellschaften in ost und west neuen – einem ganzheitlichen ökologischen und anarchistischen weltbild und treffen so sich mit alten menschlicheren weltbildern, wie z.b. der indianer.

Ein indianer wird aber nicht n das rathaus einziehen, auch nicht ein grüner. trotzdem, oder gerade wegen den wünschen der menschen nach einer gerechteren, natürlicheren welt, wird – das läßt sich am beginn des wahlkampfes schon sagen – ab 1984 ein mann ins rathaus ziehen, für den bürgernähe mehr bedeutet, als das möglichst häufige besuchen von festlichkeiten.

Unsere wünsche: sagt laut und deutlich, was ihr wollt, geht auf die kandidaten zu, laßt sie nicht im allgemeinen wahlspektakel ins banale flüchten! zeigt, daß die zeit reif ist für einen politischen wandel in der stadt lörrach ( und anderswo ) – was nur heißen kann: die phantasie an die macht (siehe das wappen).

 

Aktuelles zur Lörracher Strassenbahn

Stellungnahme des Bau- und Verkehrsdepartements des Kantons Basel-Stadt: „Tramverlängerung nach Lörrach“, (PDF)
26.05.2023

Fachliche Stellungnahme des Deutschen Bahnkundenverbandes, Landesverband Baden-Württemberg zur Machbarkeitsstudie Tram Lörrach, erstellt durch Gutachterbüro Obermeyer im Auftrag der Stadt Lörrach (PDF)
13.06.2023

Stellungnahme des Gutachterbüros Obermeyer Infrastruktur GmbH & Co. KG zum Schreiben des Bahnkundeverbands Baden-Württemberg e.V. vom 13.06.2023
28.07.2023