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DEB by Dagmar Perinelli

„Liebe Zuhörer, ich habe versucht, Ihnen “Mein Alemannien” als einen europäischen Landstrich zu skizzieren, der dazu anregt, der Geschichtsschreibung “von oben” eine “von unten” zu schreibende Geschichte entgegenzusetzen, dabei den Bedingungen und Formen kreativer Koexistenz mehr Gewicht beizumessen, als dem Geklirre und Getöse der Eroberungen und Überwältigungen der Kriegs- und Staatengeschichte“

Wolfgang Heidenreich aus seinem wunderbaren Essay

Mein Alemannien

Zweites Gespräch über Grenzen

Heimattexte

Kompass für den Schul- und Lebens-Weg

Von Bernd Jürgen Martini

Der langjährige Redaktionsleiter des Schopfheimer Markgräfler Tagblatt schrieb für seine Tochter Mercedes diesen wunderschönen Text. Er darf in unserem alternativen Dreyeckland-Lesebuch nicht fehlen:

Für Mercedes

Mercedes

Der Ernst des Lebens hat begonnen. Sagen die Leute, weil Du vom Spielkind zum Schulkind wirst. Stimmt. Aber vergiss das Spielen nicht, lebenslang. Und das Lernen. Solange Du lernst, wirst Du zwar älter. Aber nicht alt. Und solange Du denkst und fühlst, lebst Du. Um zu denken, zu fühlen und zu leben.

In der Schule kann man was lernen. Lesen. Schreiben. Und vor allem: Gut zuhören. Wenn Du klug wirst, kannst Du dann etwas erklären. Wenn Du weise bist, viel verstehen. Fleiss schadet nicht, ist aber nicht alles.

Noch wichtiger ist es, glücklich zu werden.

Auch weinen gehört dazu. Der Mensch hat Kopf und Herz. Und anderes, was ihn menschlich macht. Auch Starke dürfen übrigens mal schwach sein. Hilf den Schwachen. Nicht den bequemen Schwächlingen. Jedenfalls dauerhaft. Und ohne Hintersinn.

Du lernst jetzt nicht für die Lehrerin, das Zeugnis oder den Beruf. Vielleicht für das Leben, immer für Dich. Du kannst lernen, wie schön es ist, Freunde zu haben. Und das sie in Wahrheit mehr kosten als Konversation – obwohl gute Freunde nicht käuflich sind. Freundschaft ist keine Geschäft. Wirklich gute Freunde sind immer ein Gewinn.

Du bist einzigartig.

Obwohl es Millionen ähnliche Mädchen gibt. Du bist aber auch nicht deshalb besser, weil Du reicher oder hübscher bist. Oder dunkelhaariger oder hellhäutiger. Und Du bist auch nicht deshalb schlechter, wenn Du anders bist. Wir lieben Dich wie Du bist. Selbst wenn wir schimpfen oder Du etwas ausgefressen hast. Nichts auf der Welt kann so schlimm sein, dass Du nicht mehr heimkommen kannst.

Stolz darfst Du sein. Wenn Du gute Gründe hast – und solange Du respektierst, dass andere dafür auch Gründe haben. Du hast Rechte. Andere auch. Beides aber wird erst möglich durch die Pflicht. Freiheit ist wichtig, aber ohne Verantwortung unsozial. Wir wünschen uns aber auch umso mehr Demut von Dir, je mehr Macht Du haben wirst. Dein Argument kann überzeugen. Deine Haltung muss es (meistens).

Haltung ist der Wille, aufrecht zu gehen und zu sein.

Und sich von mehr leiten zu lassen, als nur von guten Gründen, dem eigenen Vorteil oder etwaigem Beifall. Damit Du Sinn machst und Dich vor Dir selbst nicht schämen musst. Nur das zählt, was immer sonst als öffentliche Meinung gepriesen wird.

Das alles ist für den Anfang sehr schwer. Du musst es auch nicht alles schaffen. Es wäre schon toll, wenn Du es einfach versuchst – obwohl Du – wie alle – auch Niederlagen haben wirst. Manche sind unvermeidlich, zuweilen der Preis für Haltung. Aus den meisten kann man lernen. Sie machen Dich stark und bewundernswert.

Das macht Dich frei.

Nicht von etwas, sondern für etwas, was Du allein für Dich finden musst.

Wir sind nicht lebenslang bei Dir.
Aber immer in Dir, wenn Du willst.

Mama, Papa, Omas und Opas
2001