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DEB by Dagmar Perinelli

Seit Jahr und Tag beschäftigt sich Konradin Kreuzer mit der Fluoridierung, z.B. der Zwangsfluoridierung der gesamten Basler Bevölkerung.
www.nux.ch

Das Lebenswerk von Konradin Kreuzer, Flüh ist nun im Sozialarchiv der Schweiz einsehbar:
findmittel.ch/archive…

Immer noch DAS Standartwerk über Zucker:

Al Imfeld
Zucker
Unionsverlag,
Zürich, 1983
(seltsamerweise nur noch antiquarisch erhältlich!)

„Experten und Wissenschaftlern
ist primär zu mißtrauen, denn es gibt heute – selbst im universitären Bereich – kaum mehr freie und vor allem unabhängige Wissenschaftler. Sie müssen und wollen ihr Brot verdienen, und „wes Brot ich ess‘, des Lied ich sing“

Al Imfeld, in:
Zucker

Trinkwasserfluoridierung

Dokumente

Aktuell:

Basler Zeitung online, NEWS / 09.04.2003
BS schafft umstrittene Trinkwasserfluoridierung ab

Basel. SDA/BaZ. Der Kanton Basel-Stadt stellt die seit Jahren umstrittene Fluoridierung des Trinkwassers ein. Der Nutzen dieser Massnahme gegen Karies ist nach Ansicht der Mehrheit des Grossen Rats nicht erwiesen. Zudem schade das Fluor der Umwelt.
Die Einführung der Trinkwasserfluoridierung zur Bekämpfung der Zahnkaries hatte das Basler Parlament am 9. April 1959 beschlossen. Auf den Tag genau 44 Jahre später hob der Grosse Rat am Mittwoch diese Massnahme mit 73 gegen 23 Stimmen wieder auf. Er folgte damit dem Antrag seiner Gesundheits- und Sozialkommission (GSK).

Die GSK gab zu bedenken, dass der Nutzen der Fluoridierung in der Kariesprophylaxe wissenschaftlich nicht erwiesen sei und zudem durch sehr hohe Streuverluste von 99 Prozent die Umwelt belastet werde. Basel stehe zudem heute mit der einst weit verbreiteten Massnahme einsam und allein da. Als Alternative plädierte die GSK für die landesweit gängige Basisfluoridierung durch Kochsalz.

Neben Sanitätsdirektor Carlo Conti sprachen sich einzig FDP und LDP für die Beibehaltung der Trinkwasserfluoridierung aus, die 1990 auch das Bundesgericht beschäftigt hatte. Conti räumte zwar ein, dass der Nutzen nicht erwiesen sei. Auch für einen allfälligen Schaden gebe es aber keine Beweise.

Die Parlamentsmehrheit sah jedoch keinerlei Gründe, an der Trinkwasserfluoridierung festzuhalten. Einzelne Votantinnen und Votanten erkannten darin eine eigentliche Zwangsmedikation. Durch den Verzicht spart der Kanton nun rund 120 000 Franken im Jahr ein. In mehreren Voten wurde verlangt, dieses Geld nun für eine verstärkte Kariesprophylaxe zu verwenden.

Wir haben in verschieden Nummern der ZITTIG über die Trinkwasserfluoridierung Diskussionsbeiträge veröffentlicht.

Hier publizieren wir einige der Briefe zu der Auseinandersetzung.

elmex Forschung
Wybert GMBH LÖRRACH
09. April 1984

ZITTIG Nr. 61, Februar 1984

Sehr geehrter Herr Baumert,

wir bedanken uns vielmals für die Zusendung der ZITTIG Nr. 61 mit den Beiträgen zur Kariesprophylaxe mit Fluorid. Gerne geben wir Ihnen unsere Meinung zu den behandelten Themen bekannt.

Zunächst einmal müssen wir feststellen, dass die Beiträge nicht
– nach Richtigkeit in der Beschreibung der Rolle des Fluorids in der Kariesprophylaxe,

– Wahrheitsgehalt in der Aussage

geordnet sind. Der Laie muss dadurch in der angesprochenen Thematik zwangsläufig ein verwirrtes Bild von den seit zwei Menschengenerationen bekannten und gesicherten Erkenntnissen der Zahnmedizin bekommen. Autoren wie beispielsweise Schnitzer, Knellecken, Kreuzer (deren einseitige und enggleisige Meinung in Fachkreisen hinreichend bekannt ist), können nicht „in einem Atemzug“ genannt werden mit Marthaler oder R. Meier. Es ist schade, dass durch Ihre ungeordnete Berichterstattung das Fluorid-Thema nun doch undurchsichtiger geworden ist und zur Verunsicherung der Bevölkerung weiter beiträgt.

Wir hätten uns gewünscht, dass die Fluorid-Prophylaxe an den Platz gerückt worden wäre, der ihr gebührt. Als einer der am besten untersuchten Stoffe steht eine entsprechende Fachliteratur über Fluorid von derzeit vielleicht 40.000 wissenschaftlichen Veröffentlichungen zu Verfügung. Demgegenüber existieren nur relativ wenige Schriftstücke, die nachweislich von falschen Voraussetzungen ausgehen und wissenschaftlich nicht beweisbare oder haltbare Fakten beinhalten, die nur deshalb als „Flut“ erscheinend, weil sie gegenseitig immer wieder – und oft zumal falsch – abgeschrieben werden. Ihre ZITTIG berücksichtigt deshalb, weil es die Redaktion so wollte, eben nur verstärkt die ach so verkannten Gegner der Anwendung von Fluoridierungsmitteln in der Kariesprophylaxe.

Fluorid ist ein Spurenstoff, der uns überall in unserer Umgebung begleitet. Er ist auch unabdingbarer Bestandteil des menschlichen Körpers. Die Natur selbst hat es uns gezeigt, dass lokale Fluorid-Anwendung die Zähne nachhaltig gegen Karies schützen hilft. Deshalb ist schon der Titel der Zeitung Polemik, wobei es korrekterweise „Fluorid“ statt „Fluor“ heißen müsste. Das Beispiel der Basler Trinkwasser-Fluoridierung wird hier in einer unsachlichen Weise verunglimpft.

Was soll es, wenn Sie heute im Jahre 1984 eine Statistik zerpflücken, die nur bis ins Jahr 1966 reicht (M. Gutherz). Die Trinkwasser-Fluoridierung in Basel existiert seit 1962 und ist jetzt über 20 Jahre ohne Unterbrechung im Betrieb. Der Erfolg der Trinkwasser-Fluoridierung in Basel kann gar nicht besser verdeutlicht werden, als durch ein Zitat des Direktors der Basler Schulzahnklinik im Jahresbericht 1982 dieser Institution:

„Jeder zweite Schulanfänger (7 Jahre),
jeder dritte Mittelschüler (12 Jahre),
jeder sechste Schulentlassene (15 Jahre),
hat gesunde, kariesfreie Zähne…“

Im Jahr 1983 sind diese Zahlen noch günstiger geworden. Gesundheitsschäden hat die Trinkwasserfluoridierung nachweislich weder an Kindern noch an Erwachsenen hervorgerufen.

Finden Sie in Deutschland oder Österreich solche Zahlen über die Gebissgesundheit? Nein, weil es immer wieder Eiferer gibt, die sich selbst und leider auch anderen den Ast absägen, auf dem sie sitzen. Das will heißen: Eiferer wider die Fluorid-Prophylaxe verunsichern Entscheidungsträger, also auch Politiker, viele Milliarden DM Volksvermögen durch deren Befürwortung einer breitgefächerten Fluoridanwendung für die Kariesvorbeugung einzusparen. Eiferer wider die Fluorid-Prophylaxe verunsichern aber leider auch den einzelnen Mitbürger in der Möglichkeit, viel für seine eigene Zahngesundheit zu tun.

Soweit unsere Meinung zu den Beiträgen in der ZITTIG Nr. 61. Gerne greifen wir Ihr Angebot auf, uns an der von Ihnen avisierten Podiumsdiskussion zu beteiligen. Unser Herr Perinelli wird sich für die Diskussion auf dem Podium zur Verfügung stellen.

Mit freundlichen Grüßen
elmex Forschung
W Y B E R T GmbH
Med.-Wiss. Abt.

i.V. Dr. Schröder

Mario J. Perinelli
Diplom Kaufmann
Geschäftsführer der Wybert G.m.b.H

27. März 1984

An die ZITTIG
Verlag D. E. Baumert

Lieber Dieter,
liebe Daggi,

ich möchte Euch ein Kompliment machen für die immense Arbeit, die Ihr Euch mit dem Heft über die Trinkwasserfluoridierung gemacht habt. Das war eine Fleißarbeit. Euren Ausführungen über die Karies, ihre Entstehung und die Bedeutung des Zuckers dabei stimme ich voll und ganz zu. Die Beiträge von Kreuzer und Ziegelbecker dagegen, das hatte ich Euch schon vorher gesagt, entsprechen nicht den Tatsachen, auch nicht das Lamento des erzkonservativen Dr. Knellecken, er sei von der Zuckerlobby abgeschossen worden. Der kassenärztliche Verein Nordrhein, dem Knellecken vorsaß, prangert auch heute noch den Zucker an.

Nicht jede Aussage eines CDU-Politikers (Wilhelm Jungs Vorstoß zur Trinkwasserfluoridierung) ist von vornherein reaktionär und nicht jede Aussage eines Naturkostfreundes (Zahnarzt Knellecken) ist vernünftig.

Ich muss es hier deutlich sagen: Es ist weltweit gesichertes Wissen, dass mit

– zuckerarmer Ernährung
– regelmäßiger Mundhygiene und
– Zahnschmelzhärtung durch Fluoride

dem Zahnverfall wirksam vorgebeugt werden kann.

Diese „Trias der Kariesprophylaxe“ hat sich bewärt und kein Teil darf fehlen.
Und noch etwas: Hiermit versichere ich Euch, dass ich bei der sehr großen Menge an wissenschaftlichen Veröffentlichungen, die ich gelesen haben, und vielen Gesprächen mit Fachleuten keine gesundheitlichen Bedenken gegen die Nutzung der Fluoride in den üblichen Dosierungen vorgefunden habe.
Mir kann es im Grunde egal sein. Ich weiß, dass ich regelmäßig neben der Fluoridzahnpasta einmal wöchentlich ein Fluoridpräparat einbürste, und auch unsere Kinder das machen. Ich meine, dass auch Du, Daggi, die segensreiche Wirkung erlebt hast, nämlich so gut wie keine Karies mehr. Dass die Basler Kinder gesunde Zähne haben, während die Lörracher Kinder leiden, ist der springende Punkt, nicht die Vorstellung von mehr Natur und weniger Chemie. Was spricht gegen Maßnahme, die unbedenklich ist und für mehr Gesundheit sorgt? Dass der Vorschlag von Wilhelm Jung kam? Oder dass Zahnärzte (wie Knellecken) weiterhin ungebremst bohren dürfen? 14 Mi Milliarden hat die Zahnarztbehandlung 1983 den Krankenkassen gekostet. „Die Industrie“, wie Ihr es in Eurer Klassenkampf-Schablone ausdrückt: sie hat ja gar kein Interesse an der Trinkwasserfluoridierung!

Also: Aufklärung über die Schädlichkeit für die Zähne – das mach ich mit. Das machen alle Informierten in der Zahnheilkunde schon lange. Dagegen Süßigkeiten verbieten – nein danke. Du rauchst doch noch, Daggi, oder? Ich werde weiterhin dahingehend aufklären dass Fluoride unbedenklich sind und die Gesundheit der Zähne deutlich erhalten.

Alles Gute

M. J. Perinelli

ZITTIG
freie presse agentur
verlag d.e.baumert

An den
Geschäftsführer der Firma Wybert GmbH

Lörrach, den 5. April 1984

Lieber Mario,

vielen Dank für Dein Schreiben vom 27. März an unsere Redaktion. Wir haben uns gefreut, dass Du uns eine Antwort auf die ZITTIG Nr. 61 geschickt hast. Wir waren allerdings verunsichert, ob dieser Brief als Leserbrief zu betrachten sei oder nicht. Auf Bitten Daggis unterblieb der Abdruck. Solltest Du den Abdruck trotzdem wünschen, bitten wir Dich um eine diesbezügliche Mitteilung.

Zu Deiner Entgegnung: Ich finde es sehr bedauerlich, dass auch Du dich einer fairen, offenen Diskussion verweigerst. Dass die Beiträge von Kreuzer und Ziegelbecker nicht den Tatsachen entsprechen musst Du mir erst beweisen, d.h. DU musst argumentieren, was an welcher Aussage von wem nicht richtig ist und warum. Ich bin entsetzt über Deinen Stil der Auseinandersetzung, das kann doch nicht Dein Ernst sein. Jemand der die Gültigkeit der Naturwissenschaften so hervorhebt wie Du, der müsste doch in seinen Argumentationen wenigstens ein Teil einer wissenschaftlichen Argumentation führen. Du erwartest doch nicht etwas, dass ich Dir glaube, nur weil Du so ein aufgeklärter, fortschrittlicher Mensch bist.

Weiter: Wieso stimmt die Aussage nicht, Dr. Knelleken sie von der Zuckerlobby abgeschossen worden. Zeigt nicht gerade der Prozess gegen ihn das sehr deutlich? Und was daran ein Lamento? Die Forderungen von Knellecken waren doch goldrichtig! Oder stimmte da etwas nicht? Die Informationen, die ich habe – und die sind nicht sehr viele und ich dankbar für jede weitere – deuten darauf hin, dass die Kassenzahnärztliche Vereinigung Nordrhein sehr wohl einen inhaltlichen Schwenk gemacht hat. Mir ist nicht bekannt, dass diese Vereinigungen noch Heute so engagiert wie Knellecken gegen die Zuckerlobby vorgehen. Aber die Forderungen von Knellecken haben doch nichts mit Verbot zu tun, wie Du in Deinem Brief andeutest. Das ist doch nur breite Information der Verbraucher und wenn Verbot, dann doch nur das von unlauterer Werbung.

Ich muss leider sagen, dass ich nicht sehe, dass in der Trias der Kariesprophylaxe dem Punkt zuckerarme Ernährung große Bedeutung zugemessen wird. Wieso informiert Ihr von der Wybert denn nicht die Klientel der Zahnärzte über die Schädlichkeit der süßen Sachen, auf dem Merkzettel für den nächsten Zahnarzttermin z.B.. Ich vermute, weil Du und Deine Kollegen sich nicht getrauen gegen die Zuckerlobby vorzugehen, weil Ihr genau wisst, was Euch erwartet (Prozesse, Z. B., allein die können einen Geschäftsführer Kopf und Kragen kosten). Oder liege ich da falsch, ist das nur wider durch meine Klassenkampf-Schablone gesehen?

Ich weiß, dass es eine Unmenge von wissenschaftlichen Veröffentlichungen zum Thema Fluoridierung gibt, ich weiß aber auch von sehr kritischen Einwänden gegen diese Veröffentlichungen. Gerade im Laufe der Auseinandersetzung über die Atomenergie haben wir Bürger doch gelernt, nicht jedem Wissenschaftler alles zu glauben (Nebenbei solltest Du vielleicht Dein persönliches Augenmerk einmal auf Diese Religion wenden, die – so Thomas Szasz in dem Buch über Drogen, was ich Dir zu lesen gab – die modernen, herrschende Religion ist, die die christliche Religion längst abgelöst hat). Also müssen wir sehr mühsam die Aussagen dieser Wissenschaftler durchsehen, was stimmt, was stimmt nicht, wo widersprechen sie sich. Dies versucht Konradin Kreuzer für jeden verständlich zu machen. Er überzeugt mich an Hand des praktischen Beispiels, indem er sich Aussagen der Befürworter vornimmt und diese hinterfragt.

Ich möchte Dich und damit die Firma Wybert also bitten, die Auseinandersetzung ernsthafter zu führen. Schreibt einen Beitrag für die ZITTIG, geht auf die Argumente Eurer Kritiker ein, beweist, dass sie nicht Recht haben. Aber: beweist es ihnen.

Wir veranstalten am 25. Mai 1984 ab 20 Uhr in der Aula des HTG eine Podiumsdiskussion über das Für und Wider der Trinkwasserfluoridierung. Wir haben schon im letzten Schreiben die Firma Wybert zur Teilnahme dazu aufgefordert. Ich wiederhole dies: Wir sind an einer offenen, fairen Diskussion über das Für und Wider interessiert, wir bitten Euch an der Podiumsdiskussion teilzunehmen.

Bitte schick in den nächsten Tagen mir die Antwort, bitte auch den Namen desjenigen, der von der Firma Wybert aus kommt, sofern Ihr kommt.

Mit freundlichen Grüße

Dieter Baumert
Redaktion ZITTIG

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