Frieden ja – aber wie
dieter e. baumerts diskussionsbeitrag zum großen friedenspalaver der friedensbewegung am 20. November 1981
Erstveröffentlichung in Zittig wichtiges aus dem Dreyeckland N4. 40 dezember 1981
Vorbemerkung. 22.10.2024
Es ist Krieg und keiner will hin. Wie sich die Zeiten ändern. Heute rufen wir dazu auf die Freiheit der Ukraine zu verteidigen, Anfang der Neunziger riefen wir dazu auf die Muslime im Kosova zu schützen. Zehn Jahre zuvor war das mein Beitrag zur Debatte. Der kommunistische Freund donnerte und brachte die Versammlung im Burghof zum Ende. Dabei hatte die Debatte erst begonnen.
1. Ich nehme an diesem grossen palaver teil, weil ich diese veranstaltung, neben der morgigen demonstration für die wichtigste veranstaltung der ganzen friedenswochen halte.
Die wichigste, weil auf dieser veranstaltung zum ersten mal gründlich – so hoffe ich zumindest – in dieser region über die perspektiven, aber auch über die schwierigkeiten der neuen friedensbewgung diskutiert wird. Und nicht von irgendwelchen politikern oder journalisten, die, wären wir nicht gekommen, weiterhin zu der alltäglichen aufrüstung geschwiegen hätten. Schlimmer:sie befürwortet und legitimiert hätten. Das neue also ist: wir mischen uns selber ein, übrnehmen keine positionen kritiklos. Wir brauchen keine grossen vorredner und keine grossen vordenken – wir wollen alle den weg der friednesbewegung bestimmen.
2. trotzdem innerhalb der hiesigen regionalen friedensbewgung gab es bisher kaum diskussionen über die verschiedenen vorstellungen. Das alte spiel der linken: der traum der einheit, erreicht über dem kleinesten gemeinsamen nenner an gemeinsamen positionen. Wie schnell wird da einer zum abweichler, zum feind, de weitergehende positionen vertritt.
Die friedensbewegung wird nur eine volksbewegung werden, wenn in ihr jende meinungsfreiheit praktiziert wird, die rosa luxemburg so umschreibt: „freiheit ist immer die freiheit des andersdenkenden.“
3. wir leben in einem besetzten land: die allierten haben uns noch immer besetzt, ihre truppen werden von unserern steuern mitfianziert.
Den allieerten müssen wir klipp und klar sagen: de zweite weltkrieg ist seit 19445 vorbei. Dankeschön, dass ihr die nazis vertrieben habt, sofern sie nicht als furchtbare juristen, grossindustrielle ode bundespräsidenten weiterhin ihr unwesen treiben.ihr habt es auch geschafft, dass wir statt einer sozialistischen freiheitlichen nation zwei bürokratische länder haben, die sich immer mehr zu überwachungsstaaten entwickeln.
Ok, das werden wir ändern. Aber ohne eure waffen – also verlasst unsere länder. Wir brauchen keine besatzer, weder amerikanische noch sowjetische
4. ein atomfreies europa gilt es als nächsten schritt zu verwirklichen: jede gemeinde sollte damit anfangen, jedes gemeindeparlament von seinen bürgern dazu aufgefordert werden.
5. so kann die blockbildung langsam aufgehoben werden. austritt aus der NA’TO sollte für die BRD genauso selbstverständlich sein, die für die DDR der austritt aus dem WARSCHAUER PAKT.
6. gerade uns deutschen stände es – nach zwei von uns verschuldeten weltkriegen – gut an, motor einer bewgung zu sein, die mit einseitigen abrüstungsschritten wegweisend wäre.
7. dann gibt es noch immer militär und waffen, gewalt, soziale misstände. Das militär muss weg, wir brauchen es nicht, es zerstört tagtäglich den frieden in dieser welt. Es zerstört die ökologie und verhindert die dringende soziale neuordnung der welt.
8. es geht um eine waffenlose verteidigung der völker. Nicht nur wir linken, das ganze deutsche volk muss mit zivilen widerstandsmethoden verteidigungsbereit werden – gegen jegliche militärische intervention, komme sie von der NATO oder von den WAHRSCHAUER PAKTSTAATEN.
Nicht wie das land ist, wird es verteidigt, sondern seine entwicklungspotentaile. es kann uns nicht gleichgültig sein, wer hier die repression ausübt und schon gar nicht, wie stark sie ist.
Stalinistische repression z.b. wäre repression unter nationaler fremdherrschaft. schmidt, strauss und brokdorf wegzubringen, wäre unter sowjetischer agression illusorisch.
9. wollen wir einen weg zum frieden gehen, dann werden die reichen den gürtel enger schnallen müssen – und wir deutschen gehören im weltmasstab zu den reichen. Nicht nur die reichen in unserem land.
Wollen wir auch für die völker der dritten welt soziale gerechtigkeit ( und dasw heisst für die meisten zuerst, das brot fürs tägliche überleben), dann wird es auch für uns einfache leute aus dem volk mit dem zweitauto ( und wenn es nach mir geht: auch mit dem erstauto ebenso zuende sein, wie z.b. mit dem steigendem fleischkonsum.
Und wer den spruch des vegetariers tolstoy „ es gibt solange schlachtfelder, solange es schlachthöfe gibt“ als spinnerisches sektendenken abtut, der hat von den ethischen grundlagen, die dahinter stehen, genausowenig verstanden, wie von der welthungerkatastrophe.
10. hier sind wir alle gefordert. Denn das bedeutet eine lebensveränderung mit der menschenveränderung zur triebfeder jeglicher veränderung.
Welche ironie, wenn heute die christlichen friedensgruppen die konsequentesten vertreter dieses sozialistischen grundsatzes sind, die arbeiterbewegung aber wie ein kaninchen gebannt auf die rüstungsarbeitsplätze schaut.
Frieden wollen sie alle – und die arbeiterbewegung versteht sich als die älteste friedensbewegung – aber es soll bitte niemand dem arbeiter seinen rüstungsarbeitsplatz wegnehmen.
11. fighting for peace is just like fucking for virginity.
und so marschiert ein nicht unerheblicher teil der friedensbewegung mit pazifistiwschen parolen in den nächsten krieg.
die kommunisten im krieg gegen die kapitalistische armee. Jean amery hat das zutreffend den „verdrängungspazifismus“ der westdeutschen linken genannt und an dem ist – verlaubt gesagt – die letzte friedensbewegung auch gescheitert.
lieber hans knfobloch und deine freunde von der SDAJ: erinnert euch – die ersten deutschen soldaten, die nach 1945 in ein fremdes land einmarschierten, wren volksarmisten der deutschen republik 1968 in der tschechoslowakischen republik.
und die spontis organsieren das idealistische waffen(spenden)geschäft „waffen für el salvador“. Der hohe preis wird als ablasshandel gerne gezahlt – lieber thommi s. schmidt – und deine freunde – dafür, dass die art von krieg, die man idealisiert, weit genug weg ist.
und die sozialdemokraten? Werden sie wieder, wie bisher in ihrer geschichte, in letzter konsequenz doch für den krieg sein? So wie sie den kriegskrediten zustimmten oder nach dem faschischmus der militarisierung der wetsdeutschen gesellschaft.
und die kirchen? Wie lange werden sie noch die waffen segnen und wie lange noch wird für sie der dienst mit der waffe – das mörderhandwerkt – auch friedensdienst sein?
Nachbemerkung 23. Oktober 2024.
43 Jahre nach der Publizierung des Textes, Nach so vielen Kriegen danach bleibe in irritiert zurück. Heute rufe ich zur Waffenhilfe für die vom imperialistischen Russland angegriffene Ukraine auf. Ich weiss, dass die Faschisten in Deutschland, Italien und Japan nicht mit gewaltfreiem Widerstand besiegt wurden und weiss das auch das imperialistische Russland nicht mit Friedensapellen seine menschenfeindliche Politik aufgeben wird. Anne Appelbaum hat uns das dieser Tage wieder eindrücklich klar gemacht.