Frauen nehmen Frauen mit! Oder?

Von Dagmar Perinelli und Monika Kiefer

Erstveröffentlichung in ZITTIG Nr. 45, Sommer 1982

Wir stehen da und trampen, die Sonne scheint. Wir haben gute Laune. Viele Autos sind unterwegs – morgen ist ein Feiertag, und wir glauben, dass wir gute Chancen haben wegzukommen. Wir – das sind übrigens zwei Frauen.

Die Fenster sind bei der Hitze in den Autos runtergekurbelt, wegen hohem Verkehrsaufkommen wird auf der Autobahnauffahrt nur Schritt gefahren, und wir hören genau, was die Typen so sagen, und wir sehen sie gucken. Stört uns nicht – kennen wir…

Was wir allerdings noch nicht kennen, sind die vernichtenden, arroganten Frauenblicke. Sie grinsen, sitzen breit und satt neben ihrem“ Fahrer, gucken von oben bis unten und andersrum und signalisieren uns: hier habt ihr keine Möglichkeit, hier ist besetzt, hier ist men Revier.

Was soll das? Woher kommen diese Ängste, diese Konkurrenzhaltung? Was wir wollen ist ein paar Kilometer weiterkommen und nicht ihre Typen ausspannen und auch nicht ihr schön geputztes Auto voll… na, halt irgendwas.

Was uns auch noch befremdet, sauer macht: Frauen, die allein fahren, die gucken meist erst gar nicht her, sind krampfhaft bemüht, uns zu ignorieren.

Wir stehen noch Stunden, immer fassungsloser, weil gar nichts mit Frauen läuft. Der Bauch voll Wut, der Kopf fängt an zu denken. Was hat denn eigentlich die Frauenbewegung bewirkt? Mehr Frauenbücher, mehr Frauenlieder, jeder ein lila Kleidungsstück, Frauencafés und/oder nur theoretisches Bewusstsein.

Eine traurige Moni
eine traurige Daggi